Wer in den 90ern am PC spielen wollte, brauchte keine Grafikkarte. Man brauchte Geduld, Nerven und ein Informatik-Studium — denn bevor das Spiel startete, musste man den Speicher besiegen.
Die 640-KB-Mauer
IBM entschied 1981, dass 640 Kilobyte konventioneller Speicher für alle Ewigkeit reichen würden. Bill Gates soll das Gleiche gesagt haben (hat er wahrscheinlich nicht, aber die Legende ist zu gut). Fakt ist: Spiele wie Wing Commander, Ultima VII oder X-Wing brauchten jeden einzelnen dieser Bytes — und mehr.
CONFIG.SYS und AUTOEXEC.BAT — die heiligen Texte
Jedes Spiel hatte andere Anforderungen. Das eine brauchte EMS, das andere XMS. Manche wollten HIMEM.SYS, andere stürzten ab wenn EMM386 geladen war. Die Lösung? Boot-Disketten. Für JEDES Spiel eine eigene Diskette mit maßgeschneiderter CONFIG.SYS und AUTOEXEC.BAT.
DEVICE=C:\DOS\HIMEM.SYS
DEVICE=C:\DOS\EMM386.EXE NOEMS
DOS=HIGH,UMB
DEVICEHIGH=C:\MOUSE\MOUSE.SYS
DEVICEHIGH=C:\DOS\SETVER.EXE
Wer diese Zeilen versteht, hat die 90er überlebt.
MEM /C — der Moment der Wahrheit
Der magische Befehl war MEM /C /P. Er zeigte dir, wie viel konventioneller Speicher frei war. 580 KB? Vergiss es. 604 KB? Vielleicht. 620 KB? Jackpot — Wing Commander startet!
Das Ende einer Ära
Windows 95 machte dem Wahnsinn größtenteils ein Ende. DOS-Spiele liefen in einer Box, Speichermanagement wurde zum Betriebssystem-Problem. Aber manchmal, wenn ich eine CONFIG.SYS sehe, spüre ich noch das Kribbeln. 623.424 Bytes frei. Das Spiel läuft.